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Gedenkstelen am Friedensdenkmal

Bildquelle: Chronik „SPD Ortsverein Gundelfingen 1910-2010, Die huntertjährige Geschichte der SPD in einer schwäbischen Kleinstadt“

JOSEF WITTMANN

„Im tiefsten Winter erkannte ich, dass in mir ein unbezwingbarer Sommer wohnt.“
Albert Camus, 1913 – 1960, französischer Schriftsteller

In der Nacht vor seiner Enthauptung am 17. Juli 1942 im Zuchthaus Plötzensee in Berlin schrieb Josef Wittmann an seine Eltern und Brüder in Gundelfingen: „Mein Leben und Denken war Nächstenliebe. Ich wollte Glück für alle Menschen, wollte mich immer allen Menschen als guter Weggefährte erweisen. Mein eigenes Wohl setzte ich immer erst an die zweite Stelle.“

Josef Wittmann wurde 1899 in Nürnberg geboren und zog 1904 mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder nach Gundelfingen, in die Heimatstadt seiner Mutter. 1908 wurde dort sein jüngster Bruder Franz geboren. Sein Vater, Anton Wittmann, war überzeugter Sozialdemokrat und kandidierte 1924 für die SPD im Gundelfinger Stadtrat. Als Gegner der Nationalsozialisten prägte er im sozialen und politischen Sinne auch die Erziehung seiner drei Söhne.

Josef, sein erstgeborener Sohn, erlernte den Beruf des Schriftsetzers. Er trat 1920 in die SPD ein. 1921 zog Wittmann nach Nördlingen, wo er im Verlag C.H.Beck und ab 1928 in der
Druckerei Wagner arbeitete. In dieser Druckerei wurde das NSDAP-Blatt „Rieser Nationalzeitung“ gedruckt. Nach dem Verbot der SPD durch die Nationalsozialisten engagierte er sich ab 1934 im Widerstand. Aufgrund seines Berufes hatte er Zugang zu Informationen der Reichsregierung. Er verfasste etliche Berichte, die er an verschiedene Exilorganisationen der SPD ins Ausland verschickte. Unter anderem war einer seiner Kontaktmänner der frühere Betriebsratsvorsitzende der MAN, Valentin Baur, der nach einer Schutzhaft 1933 in die Schweiz emigriert war.

Am 15. März 1940 erfolgte durch die Gestapo die Verhaftung Josef Wittmanns in Nördlingen. Nach seiner Festnahme fanden bei seinen Eltern und Brüdern in Gundelfingen Hausdurchsuchungen statt. Seine Brüder wurden in Schutzhaft genommen. In der Einzelhaft des Gefängnisses Augsburg schrieb Wittmann viele kurze Texte, in denen er mitunter Ideen für den Weltfrieden nach der Naziherrschaft entwickelte. Diese Texte schmuggelte seine Frau Maria aus der Anstalt. 1941 wurde er aus der Einzelhaft des Gefängnisses Augsburg in das Zuchthaus Berlin-Plötzensee verlegt, wo ihm im Dezember des gleichen Jahres die Anklageschrift eröffnet wurde.

Am 24. April 1942 erfolgte das Urteil gegen ihn vor dem Volksgerichtshof in Berlin wegen Feindbegünstigung, Landes- und Hochverrates. Er wurde zum Tode verurteilt. Am 18. Juli 1942 fand er den Tod durch Enthauptung. Zwischen 1933 und 1945 wurden im Zuchthaus Plötzensee 2891 Todesurteile vollstreckt.

Text der Stele von Cornelia Rapp, Bildhauerin, Bergstr. 20,86920 Denklingen

Bildquelle: Chronik „SPD Ortsverein Gundelfingen 1910-2010, Die huntertjährige Geschichte der SPD in einer schwäbischen Kleinstadt“

FRANZ XAVER PFAFFENBERGER

„Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden, und laut zu sagen : Nein!“
Kurt Tucholsky, 1890 – 1935, deutscher Schriftsteller, linker Demokrat und Antimilitarist

Am 23. April 1888 wurde Franz Xaver Pfaffenberger in Gundelfingen geboren. Nach seiner Schulzeit studierte er Jura in München. Ab 1917 war er Soldat im 1. Weltkrieg und trat 1918 in die SPD ein. Vom 15. Juni 1919 bis 1925 war er Bürgermeister von Gundelfingen.

1942 im Januar erhielt er von einer Nachbarin zum Lesen den „Möldersbrief“, dessen Inhalt er arglos in seiner Geschäftsstelle im Amtsgericht Kelheim, wo er als Rechtsanwalt tätig war, den Angestellten der Geschäftsstelle vorlas. Der Brief enthielt angebliche Aussagen des NS-Offiziers Mölders, mit denen sich dieser aus christlichen Beweggründen vom Nationalsozialismus distanzierte. Der „Möldersbrief“ wurde damals vom britischen Geheimdienst in Umlauf gebracht. 1962 erwies er sich als Fälschung.

Franz Xaver Pfaffenberger wurde offensichtlich von den Angestellten der Geschäftsstelle im Amtsgericht Kelheim denunziert. Anschließend kam es zur Hausdurchsuchung durch die Gestapo, bei der zahlreiche private Briefe an seine Verwandten gefunden wurden, deren Inhalt erkennen ließ, dass er ein überzeugter Sozialdemokrat war und durch seine humanistische Bildung den Nationalsozialisten keine innere Zugehörigkeit zugestand.

Brief vom 22. Dezember 1940 an seinen Vetter Julius Weber, Malermeister in Gundelfingen: „Ich bin auch durch die derzeitigen Zeitläufe veranlasst, mich grundsätzlich auf die Seite der Kirche zu stellen. Weil nämlich die Weltlichkeit-Staat-sich in wildester Barbarei entpuppt, Geist und Freiheit vernichtet, so ist es gekommen, dass die Kirche ohne ihr Zutun schließlich die Insel von Geist und Freiheit geworden ist. Der Staat zeigt uns wie Geist und Freiheit und Menschlichkeit nichts gilt, während die Kirche keine äusserliche Macht hat, also doch nur auf Lehre und freie Überzeugung angewiesen ist.“

Im Juni 1942 wurde er aus dem Anwaltsregister gestrichen und erhielt Berufsverbot. Im September 1942 wurde er vom Oberlandesgericht Nürnberg aufgrund seiner Briefe wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Durch verschiedene Gnadengesuche an den „Führer“ wurde das Urteil zu einer Zuchthausstrafe umgewandelt die bis 1950 dauern sollte.

Franz Xaver Pfaffenberger erlebte das Ende des Nationalsozialismus nicht mehr. Er verstarb im April 1945 im Zuchthaus Straubing an einer Rippenfellentzündung.

Text der Stele von Cornelia Rapp, Bildhauerin, Bergstr. 20,86920 Denklingen

Anna Stadler war die erste Deutsche nach dem zweiten Weltkrieg, die mit dem französischen Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet wurde.

ANNA STADLER

„Das gewalttätigste Element der Gesellschaft ist die Ignoranz.“
Emma Goldmann, 1869 – 1940, Antimilitaristin, Friedensaktivistin

„Die Deportierten lauschen: Zwei deutsche Frauen gehen ganz nahe an der Bahnlinie, wo sie arbeiten, vorbei. Eine davon hat gesprochen, ohne den Kopf umzudrehen. Der in der Nähe stehende Wächter hat nichts bemerkt. Er versteht kein Französisch und glaubt, die Frauen plauderten unter sich. Ganz vorsichtig, indem sie weiter schaufeln und hacken, nähern sich die Gefangenen dem Haufen Querschwellen. Ja, das Brot ist da … Ein Blick in Richtung des Wächters, und die Brote verschwinden rasch in den Taschen. An folgenden Tagen geschieht das Wunder aufs Neue.“ (1943 am Bahnhof von Gundelfingen) Luis Dutot, ehemaliger französischer Zwangsarbeiter, über Anna.

1897 wurde Anna Stadler in einer Gundelfinger Sägerei-Familie geboren. Anna wollte ursprünglich in eine klösterliche Ordensgemeinschaft eintreten, was ihr jedoch versagt blieb. 1943 trat Anna Stadler gemeinsam mit ihrer Familie und weiteren Helfern als starke Persönlichkeit in Erscheinung. Anna entwickelte sich zu einer äußerst mutigen Frau als sie von den Misshandlungen und anderen schlimmen Missständen im nahe gelegenen Lager Neuoffingen erfuhr.

Heimlich und unter Lebensgefahr begann sie damit, die gefangenen französischen Zwangsarbeiter mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Einen schwer verletzten Häftling, der im Krankenhaus Dillingen lag, pflegte und versorgte sie. Auch ihre Familie nahm unter dem Vorwand, Arbeitskräfte zu benötigen, jeden Samstag Gefangene auf, um diesen heimlich mit Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung zu helfen. Kurz vor Kriegsende warf Anna Flugblätter über den Zaun des Lagers, um die Gefangenen vor der geplanten Deportation in das KZ-Dachau zu warnen. 15 Gefangene konnten daraufhin fliehen und fanden bei Annas Familie Unterschlupf bis zu ihrer Befreiung.

Anna Stadler war die erste Deutsche nach dem zweiten Weltkrieg, die mit dem französischen Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet wurde. Sie hatte sich Zeit ihres Lebens auf gefährliche und wirkungsvolle Weise der Nazi-Barbarei widersetzt. Sie starb 1970.

Text der Stele von Cornelia Rapp, Bildhauerin, Bergstr. 20,86920 Denklingen

STÄDTEPARTNERSCHAFT BEEK

„Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“.
Wilhelm v. Humboldt, Deutscher Gelehrter, Staatsmann, Bildungsreformer und Begründer der Universität Berlin 1767-1835

„Die Bürgermeister und Räte der Stadt Gundelfingen (BRD) und Beek in Limburg beschließen heute, eine bleibende Partnerschaft zwischen ihren Städten zu begründen. Diese Partnerschaft soll die Freundschaft der Bürger unserer Städte und damit das Verständnis der Völker untereinander fördern.“

Mit diesen Sätzen wurde am 28. Mai 1970 im Rathaus Gundelfingen die Städtepartnerschaft zwischen Beek (Niederlande) und Gundelfingen durch den damaligen Beeker Bürgermeister Jonkheer van Meeuwen und den damaligen Gundelfinger Bürgermeister Hermann Rehm, urkundlich besiegelt. Während dieser Feierlichkeiten wies u.a. Bürgermeister Hermann Rehm in seiner Rede auf das Idealziel eines vereinten Europas, besonders durch die Jugend, hin.

Die in deutscher Sprache gehaltene Rede des Beeker Bürgermeisters bahnte schon damals den Weg zu einer langanhaltenden Städtefreundschaft: „Alle Bedingungen für eine glückliche Partnerschaft sind erfüllt. Die bayrische Gemütlichkeit und der sonnige Charakter des Limburgers, der sich mit dem Rheinländer verwandt fühlt, stimmen vorzüglich zusammen. Nach allem, was wir hier empfunden haben, zweifelt kein Mensch daran, dass diese Partnerschaft eine Bleibende wird“. Dies hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt bewahrheitet.

Begonnen hatte alles damit, dass die Gundelfinger Firma Gartner in den 1960er Jahren eine Tochterfirma in der niederländischen Stadt Heerlen gründete. Pierre Smeets, ein dortiger Mitarbeiter, kam immer wieder zur Einarbeitung in das Hauptwerk nach Gundelfingen. Er war Vorsitzender des Fußballclubs „Caesar Beek“. In Gundelfingen kam er durch sein sportliches Interesse in Kontakt zu Gundelfinger Fußballern und deren Vorsitzendem Theo Flemisch. Es folgte eine Einladung von Smeets, und so reiste der FC im Juli 1968 mit 40 Personen nach Beek.

Das war der Beginn einer wunderbaren und langanhaltenden Städtepartnerschaft, die beispielgebend ist für die europäische Einigung. Ihren Ausdruck fand und findet sie in regelmäßigen Treffen, an denen die Kommunen, Sportvereine, Feuerwehren, Faschingsvereine, Wirtschaftsvereinigungen, Pfadfinder- bis hin zu Schülergruppen teilnehmen. Oftmals resultierten daraus stetig wachsende, persönliche Freundschaften.

Des Weiteren unterhält die Stadt Gundelfingen Städtepartnerschaften mit den französischen Gemeinden La Chapelle-Anthenaise und Louverné sowie eine Patenschaft für die 1. Kompanie des Informationstechnikbataillons 292 am Standort Dillingen.

Text der Stele von Cornelia Rapp, Bildhauerin, Bergstr. 20,86920 Denklingen