Bürgermeister Franz Kukla freute sich, dass so viele Besucher den Weg in den Festsaal des Rosenschlosses Schlachtegg gefunden hatten, um sich mit wichtigen Informationen über die Zeit von 1462 auf das Gedenkjahr 2012 einzustimmen. Als Referent konnte er den Lehrstuhlinhaber für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Augsburg, Herrn Prof. Dr. Lothar Schilling, begrüßen.
Spätmittelalterliche Musikstucke, gespielt von Frau Heike Rast und Frau Christine Schräg, Lehrerinnen an der Städtischen Musikschule, stimmten die Besucher auf den Abend ein. Bürgermeister Kukla erinnerte einleitend daran, dass der Historische Berater der Stadt, Herr Georg Wörishofer, die Anregung zu dieser Vortragsreihe gegeben habe und sie auch verantwortlich betreue. Die Vorträge würden, so Kukla weiter, im Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen 2012 gedruckt, Das Stadtoberhaupt fand es gut, dass das historische Ereignis der Belagerung in den großen geschichtlichen Rahmen eingebaut werde. Die Einstimmung auf das Gedenkjahr begänne nicht mit einem Paukenschlag, sondern „leise und sachlich11 mit dieser Vortragsreihe.
Im Mittelpunkt des Eröffnungsvortrags stand das Heilige Römische Reich des 15. Jahrhunderts. In seiner Einführung charakterisierte Professor Schilling die Zeit um 1450 als Beginn einer Epoche tiefgreifenden Wandels, Sie habe bei vielen Menschen Verunsicherungen und Endzeitängste ausgelöst Sodann stellte der Referent die Grundzüge der Verfassungsordnung des Reichs vor. Dieser Verband ganz unterschiedlicher Glieder (Reichsstädte, geistliche und weltliche Fürsten, Kurfürsten mit dem Recht der Königswahl) habe sich grundlegend von einem modernen Staat unterschieden. Er habe nämlich weder über eine eindeutige Staatsgewalt, noch über ein klar abgegrenztes Staatsgebiet, noch über ein Staatsvolk verfügt, andererseits sei er aber von den meisten Zeitgenossen als heilsnotwendig erachtet worden.
Reichskrieg als Ausdruck einer Krise
Der Lehrstuhlinhaber deutete die Tatsache, dass es um die Mitte des 15, Jahrhunderts innerhalb des Reiches mehrfach zu kriegerischen Auseinandersetzungen wie dem Reichskrieg des Jahres 1462 kam, als Ausdruck einer inneren Krise. Dabei hätten Kaiser Friedrich III. und Reichsfürsten wie Ludwig IX. von Bayern-Landshut, Graf Ulrich von Württemberg-Stuttgart und Markgraf Albrecht Achilles von Ansbach-Kulmbach um eine Ausdehnung ihrer Einflusssphären gekämpft, ohne dass das Reich über Institutionen und Instrumente verfügt hätte, sie an der militärischen Verfolgung ihrer Ziele zu hindern.
Anders als die ältere Forschung, die von einem kontinuierlichen Verfall des Reiches seit dem Hochmittelalter ausging, vertrat Schilling die Auffassung, dass Krisen, wie sie das Reich um die Mitte des 15. Jahrhunderts erlebte, in vergleichbarer Weise auch in anderen europäischen Monarchien des Spätmittelalters zu beobachten seien.
Reich entwickelt zukunftsträchtige Verfassung
Schilling zeigte ferner, dass es dem Reich nach 1462 gelungen sei, im Zuge der Reichsreform Institutionen und Verfahren zu schaffen, die den Zusammenhalt der Reichsglieder stärkten. Er charakterisierte das aus der Reichsreform hervorgegangene Heilige Römische Reich als einen Herrschaftsverband, der nach den Maßstäben der heraufziehenden Frühneuzeit eine zukunftsträchtige Verfassung entwickelt habe und Im Übrigen manche Parallelen zur heutigen EU aufweise. Ihr sei es insofern sogar voraus gewesen, als es mehrfach überschuldete Reichsstände unter die Aufsicht kaiserlicher Schuldentilgungskommissionen gestellt habe, denen es tatsächlich vielfach gelungen sei, die Finanzen der betreffenden Reichsstände zu konsolidieren.
Bürgermeister Kukla bedankte sich abschließend herzlich mit einem Gundelfinger Gemüsekorb bei Professor Schilling für seinen kenntnisreichen und engagierten Vortrag. Er habe es verstanden, diese trockene Materie verständlich zu präsentieren. Dazu hätten auch die zahlreichen Abbildungen beigetragen.
Nächster Vortrag am 4. November
Kukla hielt abschließend noch fest, dass der nächste Vortrag für den 4. November 2011 terminiert sei. Oberstleutnant Dr. Eberhard Birk, Dozent für Militärgeschichte an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck, werde hier zum Thema „Der Reichskrieg von 1462-ein Überblick“ sprechen.
Bildtext:
Ein schöner Erfolg war der Auftaktvortrag für das Gundelfinger Gedenkjahr von Prof. Dr. Schilling (links). Unser Bild zeigt daneben 1. Bürgermeister Franz Kukla, den Historischen Berater der Stadt Georg Wörishofer sowie Hauptamtsleiter Heinz Gerhards.
Bild: Werner Appel

