Aus der Laudatio des 1. Bürgermeisters Franz Kukla vor dem Stadtrat am 14. Januar 2010:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben es uns im Stadtrat zur Aufgabe gemacht in der ersten Sitzung des neuen Jahres Persönlichkeiten, die sich um das Gemeinwohl oder ganz spezielle Belange uneigennützig verdient gemacht haben, durch Verleihung einer Auszeichnung öffentlich zu danken.
Gott sei Dank gibt es in jeder Gemeinde solche Mitbürger, die aus der Zurückgezogenheit ihres privaten Lebens heraustreten und bereit sind, durch ihren Einsatz Verantwortung für das Allgemeinwohl zu übernehmen.
Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass sich in unserer Gemeinschaft immer wieder Mitbürger finden, deren Lebensplanung sich nicht in der Verfolgung höchstpersönlicher Interessen erschöpft.
So unterschiedlich das Aufgabengebiet, auf dem diese Leistungen erbracht werden, auch sein mag: Sie, meine Damen und Herren, verbinden entscheidende Gemeinsamkeiten.
Die Aufgaben, denen Sie sich gestellt haben, haben Sie aus innerem Antrieb, mit voller Überzeugung und ganzem Herzen erfüllt. Sie haben sich mit Ihren Zielsetzungen identifiziert. Sie haben an dieser Einstellung festgehalten – allen Schwierigkeiten zum Trotz.
Dies wird heute anerkannt. Das ist gut so und richtig. Es gilt Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, Dank zu sagen für die besondere Art und Weise, in der Sie sich hervorgetan haben. Sie haben etwas geleistet, auf das Sie stolz sein dürfen.
Wir wollen mit der heutigen Ehrung auch ein Zeichen setzen, dass möglichst viele Mitmenschen diesem Vorbild nacheifern. Denn nur so wird unsere Gesellschaft zu mehr als einer zufälligen Ansammlung von Menschen, sie wird zu einer Gemeinschaft, die das Leben für jeden lebenswert macht.
Sie haben dazu Ihren Beitrag geleistet. Ich wünsche Ihnen allen, jedem an seinem Platz, das begonnene Werk mit Begeisterung weiterzuführen. Dafür gilt Ihnen heute unser Respekt und unser Dank.
Frau Antonie Gerold
Es gibt Menschen, die ihre Aufgabe im Stillen verrichten, kein Aufhebens davon machen und von deren Tätigkeit viele Mitmenschen wenig ahnen. Würde diese Arbeit aber nicht getan, würde man mit einem Schlag sehen, was fehlt.
Zu diesen Mitbürgern zählt Frau Antonie Gerold. Durch ihre Tätigkeit im katholischen Pfarrsekretariat wurde ihr zeitlebens eine herausragende Aufgabe in vielfältigen Bereichen übertragen. Da könnte man erleichtert aufatmen, wenn man das offizielle Rentenalter erreicht hat und diese Aufgabe an Jüngere übergeben kann. Nicht so bei Frau Gerold. Je näher der Abschied kam, desto stärker verspürte sie, wie sehr ihre Arbeit bereits ein Teil ihres eigenen Lebens geworden ist, wie stark die Verantwortung für das Amt zur ganz persönlichen Verantwortung gewachsen ist.
Und so war es fast zwangsläufig, dass Frau Gerold nach ihrem offiziellen Renteneintritt sich weiterhin der Betreuung unserer Kindergärten widmete: Eine Aufgabe, die in ihren Schwierigkeiten bei der Personalgestaltung, der Organisation des Kindergartenbetriebes, der finanziellen Gestaltungsmöglichkeit und dem Umgang des besonders sensiblen Personals in all seiner Unterschiedlichkeit äußerstes Fingerspitzengefühl, oftmals Hartnäckigkeit, immer aufgeschlossen neuen Ideen gegenüber und höchste Kompetenz abverlangt. Dies haben Sie seit dieser Zeit ehrenamtlich für den Träger unserer Kindergärten, der katholischen Kirchenstiftung, geleistet. Wer Einblick in diese Arbeit hat, wird bestätigen, was es bedarf, um all den Ansprüchen gerecht werden zu können. Sie haben nicht nur einiges an Kosten erspart, was letztendlich unseren Kleinsten zugute kommt. Sie sind die Garantie für den erfolgreichen Ablauf jedes Kindergartenjahres. Es ist deshalb angebracht, nachdem wir heuer die drei neuen Kinderkrippen errichtet haben, auch diese Arbeit einmal in der Öffentlichkeit zu würdigen.
Frau Gerold, Ihr Name bleibt mit unseren Kindergärten immer eng verbunden. Wir danken für Ihre wertvolle Arbeit und würdigen diese durch die Verleihung der Ehrennadel in Bronze der Stadt Gundelfingen.
Hermine Matzke
Frau Matzke ist von der Lehre des Pfarrers und Gesundheitstherapeuten Sebastian Kneipp völlig überzeugt, der darin auf die Selbstheilungskräfte des Menschen setzt. So ist es nicht verwunderlich, dass sie 1984 bei der Gründung des Gundelfinger Kneipp-Vereins von Anfang an dabei war. Zunächst als Beirätin, seit 1988 als 1. Vorsitzende. Seit dieser Zeit hat der Verein eine rasante Aufwärtsentwicklung gemacht und zählt heute 350 Mitglieder.
Frau Matzke geht in ihrer Arbeit auf. Und nur so gelingt es ihr, andere zu gewinnen, bei dieser lohnenden Aufgabe mitzumachen. Ein vielfältiges Angebot, das weit über den gesundheitlichen Aspekt des Vereins hinausgeht, entspricht ihren Anregungen. Kein Wunder also, dass sich dies über die Grenzen unserer Stadt herumsprach und Frau Matzke zur 2. Vorsitzenden des Landesverbandes Bayern gewählt wurde.
Doch Frau Matzke beließ es nicht bei dem an sich schon anspruchsvollen Amt eines Vorsitzenden. Sie brachte sich ein als Übungsleiterin und Gesundheitspädagogin. Ein ganz besonderes Anliegen ist Frau Matzke - worüber sie nach außen kein Aufhebens macht – ihre ehrenamtliche Arbeit im Elisabethenstift und in der Behindertenarbeit.
Nicht das Streben nach großen Auszeichnungen steht bei Frau Matzke im Vordergrund. Nein, es ist die Arbeit für die Menschen. Darin findet Sie ihre Erfüllung, darauf begründet sich der große Erfolg. Und damit überzeugt Frau Matzke auch die zahlreichen Mitglieder und Helfer im Verein, die heute ebenfalls durch diese Ehrung hervorgehoben werden.
Frau Matzke, Sie haben sich beispielhaft für die Menschen hier eingesetzt und ich hoffe, Sie können es noch lange tun. Dafür verleiht Ihnen die Stadt Gundelfingen die Ehrennadel in Silber.
Hermann Kalcher
Muss ein Lebenswerk schon abgeschlossen sein, bevor eine Würdigung der geleisteten Arbeit allgemeine Anerkennung findet? Meistens ja! Aber es gibt Ausnahmen: Hermann Kalcher, ein Mann der mit dem musikalischen Leben unserer Stadtkapelle untrennbar verbunden ist. Mit 10 Jahren tritt er 1971 in die Jugendkapelle ein (Gründungsmitglied), wechselt 1979 zur Stadtkapelle, wird 1986 Stellvertreter des damaligen Dirigenten Dieter Böck und übernimmt von 1990 – 2007 dessen Arbeit, zeitweise auch als Dirigent des Vorstufenorchesters.
Seine Liebe und Begeisterung zur Blasmusik sind stets spürbar, vor allem, wenn er von einem erfolgreichen Auftritt des Ensembles ins Schwärmen kommt. Dies heißt nicht, dass er die Aufführungen nicht auch kritisch betrachtet, aber Kritik bedeutet bei ihm nie Herabwürdigung, sondern Hilfestellung, es nächstes Mal besser zu machen. Er bringt sein Können und Wissen auch im übergeordneten Musikbund ASM ein und bekleidet dort Ämter.
„Seine“ Musiker motiviert Hermann Kalcher auch durch neue Wege in der Blasmusik. Die Teilnahme an Wertungsspielen ist mehr als ein „Muss“, es dient der Steigerung und kritischen Selbsteinordnung des eigenen Könnens. Großen Anklang fand die Stadtkapelle auf den von Hermann Kalcher veranstalteten Auslandsreisen in die USA, nach Dubai, zu unseren Partnerstädten und nach Gomel in Weißrussland.
Eine heimtückische Krankheit veränderte sein Leben nachhaltig. Er gibt die Leitung der Stadtkapelle ab, auch sein privates Leben muss er zwangsläufig verändern. Aber Hermann Kalcher gibt nicht auf. Unermüdlich widmet er seine Zeit der Ausbildung der Kinder im Vorstufenorchester, er bringt seine Erfahrung in der VHS ein und initiiert eine Selbsthilfegruppe von Parkinson-Patienten, um den Umgang mit dieser schicksalsträchtigen Krankheit für Betroffene und Angehörige zu erleichtern.
Hermann Kalcher, ein Vollblutmusiker und Heimatpatriot, setzt Zeichen dort, wo manch anderer resigniert. Er gibt Hoffnung und zeigt durch sein Handeln, es lohnt sich immer weiter zu machen.
Für seine Leistung für die Stadtkapelle, aber auch für sein vielfältiges Engagement im öffentlichen Bereich danken wir heute mit großem Respekt. Wir verleihen Ihnen die Ehrennadel in Silber der Stadt Gundelfingen und wünschen Ihnen Gottes Segen.
Walter Hieber
Auch bei dem jetzt zu Ehrenden ist die Lebensleistung hoffentlich noch lange nicht abgeschlossen und trotzdem würde es fast an Missachtung grenzen, wollte man das Engagement Walter Hiebers auf kulturell-geschichtlichem Bereich für seine Heimatstadt Gundelfingen unberücksichtigt lassen.
Von Kindheit an ist Walter Hieber ein Gundelfinger durch und durch. Seine Liebe zum Fasching, zu großen Umzügen und Veranstaltungen beeindrucken ihn so sehr, dass er dabei sein muss. Aber dabei sein ist zu wenig, er sprüht nur so von Gedanken und Vorstellungen, begeistert viele und Skeptiker überzeugt er immer wieder, indem er selbst Hand mit anlegt und sagt, dass alles geht, wenn man nur will. Dass er dabei die Nerven der Kassenwarte öfters gehörig strapaziert, ist bei ihm mit einkalkuliert. Er besitzt ein unerschütterliches Gottvertrauen und die Erkenntnis „wenn ich die Möglichkeiten, die mir der liebe Gott jetzt gibt, nicht nutze, habe ich mein Leben falsch gelebt“ treibt ihn immer wieder an.
Die Quelle seiner ständigen Energie sind ohne Zweifel seine christliche Grundeinstellung verbunden mit Optimismus und Zuversicht, seine Familie, auf die er sehr stolz ist, seine Freunde, die zu ihm halten, auch wenn der Wind ins Gesicht bläst und die Gewissheit, dass nichts geschieht, wenn es der liebe Gott nicht zulässt.
Im historischen Bürgerverein hat er seine Basis. Es würde den Rahmen sprengen, alles was in den letzten Jahrzehnten gemacht wurde, aufzuzählen: historische Feste 1987, 2000, Kartoffelfest, Eselfest …, Umzüge, Initiativen im Heimathaus, Nachtwächter, Stadtführungen und bald das Gedenkjahr 2012.
Alles braucht eine gute Vorbereitung, eine klare Durchführung, damit der Erfolg kommt und der Funke auf’s Publikum überspringt. Die in die Tausende gehenden Besucherzahlen dieser von Walter Hieber nachhaltig geprägten und organisierten Veranstaltungen tragen enorm zum Erscheinungsbild unserer Stadt bei. Kaum ein Gespräch mit Besuchern, wo nicht der Name Walter Hieber anerkennenswert, oft auch neidisch genannt wird.
Natürlich engagiert sich Walter Hieber in der Kirche und im Stadtrat seit 1984. Hierbei ist er seit Anfang an Referent für Kultur- und Heimatpflege sowie Mitglied in verschiedenen Ausschüssen.
Heute wollen wir nun einmal ein Dankeschön sagen an einen Mann, der noch vieles erreichen möchte. Daher steht der Wunsch nach der Verwirklichung des Kulturzentrums Bleiche und eine denkwürdige Feier des Jahres 2012 bei ihm ganz oben an.
Zusammen mit vielen seiner Helfer anerkennen wir dies mit der Verlei-hung der Ehrennadel in Gold der Stadt Gundelfingen an einen Mann, der seine Heimatstadt Gundelfingen von ganzem Herzen liebt. Herzliche Glückwünsche und auf gutes weiteres Gelingen der Arbeit für unsere schöne Stadt Gundelfingen.
Unser Bild zeigt (von links):
Walter Hieber, Hermine Matzke, Antonie Gerold, Hermann Kalcher sowie 1. Bürgermeister Franz Kukla.

