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Stadtpfarrkirche St. Martin



Der Platz, auf dem sich die Pfarrkirche St. Martin erhebt, ist seit dem frühen Mittelalter eine christliche Kultstätte. Seit den Ausgrabungen im Herbst 1981 kann man annehmen, dass St. Martin zu den ältesten Gotteshäusern in Bayern zählt und dass eine Urkirche des 7. Jahrhunderts bereits die Grablege alemannischer Edelleute gewesen ist. Das Martinspatrozinium ließ schon immer auf die Kirchengründung in einer Zeit schließen, in der die Franken den Alemannen das Christentum brachten, denn der hl. Martin war einer der bevorzugten Heiligen der Franken.

Das älteste Gundelfinger Kirchlein wies hölzerne Pfosten auf, die vermutlich auf einen Holzbau des 7. Jahrhunderts schließen lassen. Hier bestattete man reiche Adelige; bei den Ausgrabungen kam eine silberne Schuhschnalle zu Tage. Auch andere Grabbeigaben von Männern, Frauen und Kindern des 7. Jahrhunderts ließen


sich nachweisen. Nach 700 muss dann, nach den archäologischen Funden zu schließen, ein zweiter Bau errichtet worden sein, der 16,5 m lang und 8,5 m breit war und an den die Erbauer im Osten eine eingezogene Apsis angesetzt hatten. Das Fundament dieser frühen Kirche bestand aus mörtellos verlegten Steinblöcken abgebrochener Monumentalbauten des nahen römischen Ortes auf dem Areal des heutigen Lauinger Stadtteils Faimingen und aus anderen Steinstücken. In diesem Fundament fand sich ein bedeutsamer archäologischer Fund, ein römischer Meilenstein, der jetzt in der Leonhardskapelle steht.

Die dritte Vorläuferin der Pfarrkirche Gundelfingen stellt eine ansehnliche Dorfkirche mit 23 m langem und 12 m breitem Schiff sowie einem daran angesetzten, nahezu quadratischen Altarraum von 9 x 8,5 m dar. Vermutlich handelt es sich bei den ersten Kapellen und Kirchen um je einen Sakralbau der merowingischen, karolingischen und ottonischen Epoche.

Die wichtigste Etappe in der Geschichte der frühen Gundelfinger Kirchen war der Bau eines romanischen Gotteshauses im 12. oder beginnenden 13. Jahrhundert. Er war einschiffig mit einer Weite von 15 m und einer Länge von 29 m. Im Westen schloss sich ein hoher Turm an, von dessen romanischem Aussehen sich manches erhalten hat.

Die romanische Pfarrkirche St. Martin wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, bald nach der Einführung der Reformation unter dem Pfalzgrafen Ottheinrich, in eine dreischiffige Hallenkirche umgewandelt.

1679 wurde der Choraltar gefasst und 1682 die Kirche restauriert. Von Schäden am Turm war 1688 die Rede; 1689 plante man, seinen oberen Teil in barocke Formen als Achteck umzubauen und mit einer Zwiebelkuppel abzuschließen. Dieses Vorhaben kam nicht zur Ausführung. 1697/98 nahm Hans Windschmidt Ausbesserungen von Schäden am Turm vor. Der „Spitalpfleger und Gastgeb“ zum Goldenen Kreuz, Leonhard Bauer, hatte seit 1729 zur Abwendung von Viehseuchen am Tag seines Namenspatrons festliche Gottesdienste halten lassen. Dabei waren so reichlich Opfer eingegangen, dass er sich zum Anbau der Leonhardskapelle (1730/32) entschloss. Die Barockisierung von 1735 war in der Hauptsache ein Werk von drei Meistern, dem Gundelfinger Maurermeister und Gipser Johann Windschmidt, dem Zimmermeister Matthias Kraus von Dinkelscherben und dem einheimischen Kunstschreiner Martin Baumeister. Durch Beseitigung der 1562 eingebauten Eichensäulen der Emporen an der Langseite und der flachen Holzdecke wurde wieder ein einschiffiges Langhaus gewonnen.

Stadtpfarrkirche St. Martin


Kornbild zum Erntedankfest


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