09073 999-0

Die Gundelfinger Spitalstiftung hatte im Rahmen der Jubiläumsveranstaltungen zu einem zweitägigen geschichtlichen Kolloquium eingeladen. Ein Kolloquium soll die Möglichkeit geben wissenschaftliche Gespräche zu führen, Gedanken auszutauschen um neue weiterführende Ansätze zu entwickeln. Dieser Ansatz ging in Gundelfingen auf – worüber sich der Spitalleiter Markus Moll – neben dem guten Besuch der Veranstaltung – freuen konnte.

Das Kolloquium begann mit einer abendlichen Einstimmung in das Städtische Leben rund um das Jahr 1418. Henry Gerlach berichtete über das Alltagsleben im Mittelalter und Monika Kübler – beide tätig im Kompetenzteam Konstanzer Konzil – las mit beeindruckendem Ausdruck und sonorer Stimme aus ihrem Kriminalroman „In Nomine Diaboli“ vor. Das Mittelalter schien zum Greifen nahe – vor allem weil das auf alte Musik spezialisierte Ensemble Kurzweyl aus Dillingen ihre herrlichen Stimmen und Instrumente zum Besten gaben.

In den Morgenstunden des nächsten Tages startete die Veranstaltung mit einem Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Wüst von der Universität Erlangen-Nürnberg mit der Fragestellung wie die Gesellschaft mit dem Thema Armut damals umging. Eine interessante Erkenntnis aus seinen Ausführungen war, dass Mauern nicht vor dem Zuzug von Armut schützen können und zeigt wie tagesaktuell Geschichte immer wieder ist.

Im folgenden Vortrag von Dr. Artur Dirmeier vom Katharinenspital aus Regensburg wurden die Beweggründe für die zahlreichen Stiftungsgründungen erörtert. Demnach wurde oft materielles Vermögen gegen immaterielles Vermögen getauscht indem z.B. die begünstigten Menschen für die Stifter über Jahrhunderte beteten.

Frau Prof. Dr. Gisela Drossbach von der Ludwig-Maximilians-Universität München referierte über die baulichen Regelhaftigkeiten von Spitalanlagen im Vergleich. Die Reise ging durch ganz Europa und endete in Gundelfingen. Die Zuhörer klebten ihr an den Lippen als sie neue Bildbestände zur Vorgängerkirche der heutigen Gundelfinger Spitalkirche präsentierte.

Folgend wusste der regional bekannte Georg Wörishofer – historischer Berater vieler Städte im Landkreis – mit seinem profunden Wissen aus regionalen und überregionalen Archiverkundungen zu überzeugen. In seinen beiden Vorträgen beschrieb er die Entwicklung des Gundelfinger Spitals von seiner Gründung bis zum späten 19. Jahrhundert. Beeindruckend beschrieb der die Beweggründe des Gundelfinger Bürgers Hans Sitzenberger, der für seine kranke Tochter Margarethe eine dauerhafte Versorgung gesichert und geregelt haben wollte.

Die aus dem Stammhaus der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul aus München angereiste Frau Dr. Susanne Kaup ergründete die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des bekannten Ordens mit zahlreichen und interessanten Details. Gundelfinger Bürger zeigten für diesen Vortrag großes Interesse da die Klosterfrauen über 100 Jahre im Spital gewirkt und ihre Spuren hinterlassen haben.

Markus Moll berichtete über die jüngere und sehr bewegte Geschichte der Gundelfinger Spitalstiftung die von einer großen und existenziellen Krise am Anfang des 21. Jahrhunderts geprägt war. Die Gründe für die Krise und mehr noch die Wege aus der Krise bildeten den Schwerpunkt seines Vortrages.

Ein Höhepunkt zum Ende des Vortragsreigens bildete der impulsive und hoch interessante Vortrag von Herrn Dr. Nicolas Potysch von der Ruhr-Universität Bochum. Das komplexe Thema der barocken Emblemkunst in der Gundelfinger Spitalkirche erschloss sich hierdurch mühelos und machte Lust darauf die wunderbaren Embleme in der Kirche mit neuen Augen zu sehen und zu entdecken.

Zum Abschluss des Kolloquiums enthüllten Herr Wörishofer und Herr Moll ein Faksimile der „Margarethen-Urkunde“ von 1418 unter festlichen Klängen der Härtsfelder Fanfaren. Diese Urkunde wird im Verwaltungsbereich der Stiftung dauerhaft ausgestellt und dokumentiert den Stifterwillen von Hans Sitzenberger in Bezug auf seine Tochter Margarethe.

Bildererklärungen:

Gruppenfoto der Dozenten – Von links nach rechts (Ersteller Frau Annette Heitz):
• Dr. Artur Dirmeier
• Prof. Dr. Gisela Drossbach
• Markus Moll
• Georg Wörishofer
• Prof. Dr. Wolfgang Wüst
• Dr. Nicolas Potysch
• Dr. Susanne Kaup